Awo-Aktion: 800 Schals gegen soziale Kälte

18. November 2019

Ein Bericht von Thomas Scherer, Fürther Nachrichten:

Menschenkette schlängelte sich auf Initiative der Awo durch die Zirndorfer Innenstadt

ZIRNDORF - Auf über einen Kilometer Länge bringen es die Schals, würde man die Handarbeiten Stück für Stück aneinanderreihen. Die von der Awo Weiherhof und deren Vorsitzender Heidi Übler bereits im vergangen Winter ins Leben gerufene Aktion mit dem Titel "Schals gegen soziale Kälte" fand jetzt einen vorläufigen Höhepunkt. Armut bewegt die Menschen: Verbunden mit den selbstgestrickten Schals formierten sich die Teilnehmer der Menschenkette quer durch die Zirndorfer Kernstadt vom Rathausplatz bis zum Pfarrhaus von St. Rochus.

Armut bewegt die Menschen: Verbunden mit den selbstgestrickten Schals formierten sich die Teilnehmer der Menschenkette quer durch die Zirndorfer Kernstadt vom Rathausplatz bis zum Pfarrhaus von St. Rochus.

Quer durch die Zirndorfer Kernstadt – ausgehend vom Rathausplatz vor dem städtischen Museum über die Hauptstraße und den Koppenplatz bis zum Pfarrhaus von St. Rochus – zog sich eine Menschenkette. Verbindendes Element war jeweils einer der über 800 selbstgestrickten Schals.

"Mit dieser Resonanz hat zu Beginn niemand gerechnet", zeigte sich Frank Bauer, Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Fürth, erfreut. Im Jubiläumsjahr wollte der Sozialverband ein Zeichen setzen gegen die sich immer weiter ausbreitende Armut in Deutschland, so Bauer über den Hintergrund der Aktion zum 100. Geburtstag des Sozialverbands. "Die Tafeln allerorten verköstigen mehr und mehr Menschen, ein Ende ist nicht abzusehen", so Bauer. Zwar seien so viele Menschen in Lohn und Brot wie selten zuvor, das gezahlte Salär reiche jedoch oft kaum zum Leben.

In dieses Horn blies auch Inge Aures, Landtagsabgeordnete für sie SPD und Awo-Bezirkspräsidiumsmitglied, bei ihrer Rede im Pfarrhaus von St. Rochus, dem Ziel der Menschenkette. "Armut bewegt immer mehr Menschen", lautete ihr Kernsatz. Anlass zur Sorge geben ihr die geburtenstarken Jahrgänge, die nach und nach das Rentenalter erreichten. Deren Erwerbsbiografien glichen nur zu häufig einem direkten Weg in die Altersarmut.

Die von Heidi Übler und über 50 weiteren, meist weiblichen Mitstreitern im Lauf der vergangenen Monate gestrickten Schals sollen auf den Weihnachtsmärkten im Landkreis zum Kauf angeboten werden. "Wir hätten gerne den Materialwert", erklärt Übler bescheiden. Jeder Schal - in manchen Fällen auch Schal, Handschuh und Mütze in Kombination - ist mit einem Etikett versehen, das nicht nur den Materialpreis nennt, sondern auch die Zusammensetzung der verwendeten Materialien. Wer noch etwas für die Arbeitszeit der Strickerin drauflegen möchte, möge sich keinen Zwang antun.

Am 13. Dezember schließlich, dem genauen Geburtstag der hiesigen Awo, kommen Bedürftige in den Genuss eines Weihnachtsessens, das aus den Verkaufserlösen der Schals finanziert wird.

Schalaktion

Die Schals gegen die soziale Kälte zeigen Wirkung. Von links: Frank Bauer, Vorsitzender des AWO-Kreisverbandes Fürth-Land, die Initiatiorin der Aktion, Heidi Übler, Vorsitzende der AWO Weiherhof, Landtagsabgeordnete und AWO-Bezirkspräsidiumsmitglied Inge Aures und Corinna Grümpel vom AWO-Bezirk Ober-/Mittelfranken. Bildquelle: privat.

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